Kurzgeschichte: "Träum süß"

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Es war einmal ein kleiner Prinz, der mit seinen Eltern dem König und der Königin in einem großen Schloss wohnte. Das Schloss hatte viele viele Zimmer und so kam es, dass sein Zimmer in einem ganz anderen Teil des Schlosses war, als das seiner Eltern.

nachts war es immer sehr still in dem alten großen Schloss und das einzige, was zuhören war, waren die ächzenden Bäume vor dem Fenster, die im Wind nachgaben. Auch allerlei Getier konnte man vernehmen. Besonders die laute Eule, die direkt vor dem Zimmer des Prinzen zu wohnen schien, wollte der Nacht keine Ruhe geben. In den Wänden hörte man den alten Mörtel bröseln und die kleinen Füßlein der Mäuse, die sich nur nachts vorwagten, wenn alles zu schlafen schien. Es war also nicht verwunderlich, dass der kleine Prinz zur Schlafenszeit selten ein Auge zubekam. Zu sehr ängstigten ihn die unheimlichen Geräusche in der Dunkelheit. Und auch die Worte vom König, "Prinzen haben keine Angst!", wollten nicht helfen.

Und so kam es, dass sich der kleine Prinz, sobald alle Lichter gelöscht wurden und die Amme das Zimmer verlassen hatte, unter seiner Decke versteckte. Kein Bein, kein Arm durfte herausgucken, denn nur unter der Decke fühlte er sich des nachts sicher.

Um besser einschlafen zu können und nicht ständig an die unheimlichen Dinge zu denken, die sich wohlmöglich außerhalb seiner sicheren Deckenfestung befand, dachte er an die unmöglichsten Dinge. Und wenn er Glück hatte, so träumte er sogar davon.

In seinen Träumen gab es dann Einhörner und lustige Gestalten, die ihn zum Lachen brachten. Doch am liebsten träumte der kleine Prinz von einem fliegenden Bett. Es war so weich und kuschelig und man konnte überall hinreisen. Sobald er daran dachte, wohin er gerne reisen würde, hob das Bett wie durch Zauberhand ab und brachte ihn an den gewünschten Ort. Er flog oft über große Ländereien und Gewässer. Das Meer war so blau und klar, dass er so manche Male gar zu tief flog und beinahe hineinfiel. Er dachte dann "Ach, wie schön es doch wäre solch ein feines Bett zu haben. Schlafen auf den Wellen, fast wie auf einem Schiff. Solch eines dieser Wasserbetten wäre ach zu fein."

Und wie er so durch die Nächte flog und sich zahlreiche fantastische Geschichten erdachte, merkte er nichts mehr von den unheimlichen Geräuschen rings um ihn. Das Ächzen der Bäume wurde zum Knarren der Schiffsplanken und das "Buhu" der Eule zum Heulen des Windes.